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Bianca

    Bianca F in Berglandschaft stehend

    Wenn ich auf meine Geschichte zurückblicke, sehe ich eine Zeit, die mich an die Grenzen meiner Existenz geführt und mir gleichzeitig gezeigt hat, wie viel Leben in mir steckt. Es war eine Zeit der Extreme – die mich gezeichnet hat, innerlich wie äusserlich, und aus der ich als eine Frau hervorgehe, die ihren Wert und ihre Stärke besser kennt als je zuvor.

    Kurz nach der Geburt unseres zweiten Kindes wurde ich mit der Diagnose Chorionkarzinom konfrontiert. Hierbei handelt es sich um einen sehr seltenen und aggressiven Plazentatumor. Die Wahrscheinlichkeit, an einem solchen Tumor zu erkranken, liegt weltweit bei ca. 1:50’000 Schwangerschaften. 
     
    Statt mich mit den alltäglichen Sorgen einer zweifachen Mutter zu beschäftigen, stand ich vor existenziellen Abgründen. Die aufkommenden Fragen waren unerträglich: Was, wenn mein Mann allein zurückbleibt? Wie verabschiedet man sich von seinen Kindern? Es waren Ängste, die man niemandem wünscht und die mich zwangen, tiefer in mich hineinzuschauen, als ich es jemals für möglich gehalten hätte. 
     
    Nachdem die Chemotherapie nicht den gewünschten Erfolg gebracht hatte, folgte die operative Entfernung des Tumors. Heute blicke ich auf die 20 cm lange Narbe an meinem Körper. Sie ist kein Makel, sondern mein wertvollstes Merkmal. Sie erinnert mich täglich daran, was mein Körper in nur einem Jahr geleistet hat: eine Risikoschwangerschaft, eine Geburt, die darauffolgende Chemotherapie und zwei lebensbedrohliche Situationen. Diese Narbe hat mir das Leben gerettet – sie ist das Symbol meines Überlebenswillens.
     
    Trotz aller Unsicherheit habe ich während meiner Erkrankung stets versucht, meine Ziele zu verfolgen. Ich versuchte, Energie an meinem Kraftort, den Bergen, zu tanken. Die Weite und Stille auf einem Gipfel gab meinen Gedanken Platz, und ich konnte mich intensiv mit mir und meiner Situation auseinandersetzen.
     
    Ein absoluter Lichtblick war die Rückkehr in die Berufswelt. In einer Zeit, in der alles unsicher war, bot mir meine Stelle den Halt und die Normalität, nach der ich mich so sehr gesehnt habe. Es war mehr als nur ein Job; es war die Rückkehr in ein selbst bestimmtes Ich.
     
    Was bleibt und welches Fazit ziehe ich aus der Erkrankung?
    Resilienz: Ich weiss jetzt, dass mich so schnell nichts mehr umwirft.
    Verbundenheit: Unsere familiären Bänder sind heute stärker als Stahlseile.
    Dankbarkeit: Ich blicke mit tiefer Demut auf meine Genesung.
     
    Ich gehe aus dieser Zeit nicht nur als Überlebende hervor, sondern als Regisseurin meines eigenen Lebens. Ich habe gelernt, dass Gesundheit das einzige Fundament ist, das wirklich zählt. 
     
    Während meiner Erkrankung habe ich mich nach dem Austausch mit Betroffenen gesehnt, doch leider blieb mir dies aufgrund der Seltenheit des Tumors verwehrt. Dies möchte ich ändern und für alle Betroffenen und Angehörigen ein Ansprechpartner sein.

    « Von der Ungewissheit zur ungebändigten Kraft. Mein Körper ist mein Held. »

    – Bianca

    Betroffene

    Weiblich, 1989

    Wohnhaft im Kanton Appenzell

    Themen

    • Administratives
    • Bewegung / Sport
    • Familienplanung
    • Jung und Krebs
    • Kommunikation Umfeld
    • Körperbildveränderung
    • Krebs und Beruf
    • Krebs und Familie
    • Resilienz
    • Selbstfürsorge
    • Sexualität

    Krebsart(en)

    • Seltene Krebsarten

    Austausch

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