
Nie war mehr Anfang als Jetzt.
Mit 42 Jahren erhielt ich die Diagnose Brustkrebs. Mit einem Schlag habe ich den Glauben an die eigene Unverwundbarkeit und an die Welt als einen gerechten und sicheren Ort verloren. Später ergab die genetische Abklärung den Nachweis einer Chek2-Mutation. Ich trauerte stark um den Verlust meiner Gesundheit. 16 Chemotherapien, eine doppelte Mastektomie mit direktem Wiederaufbau (diepflap) und 25 Bestrahlungen später: Ein neuer Körper, ein neuer Geist. Mensch, Frau, Mutter, Verlobte, Tochter, Schwester, Freundin. Ich – und die Antihormontherapien – meine Lebensversicherung.
Im Leben «nach Krebs» kann man sich verloren fühlen. Während den Therapien liegt der Fokus darauf, diese überhaupt zu überstehen. Wenn sie vorüber sind, gilt es, mit den Narben dieser Therapien – den sichtbaren und den unsichtbaren (auf der Seele) – leben zu lernen. Rückblickend weiss ich genau, was mir geholfen hat (z.Bsp. Waldbaden/Shinrin Yoku, herzfokussiertes Atmen, Sport oder Gespräche mit Peers) und was nicht (Überlebenswahrscheinlichkeiten googeln).
Kaum hatte ich meinen Wiedereinstieg im Beruf gestartet, wurde mein Vater schwer krank: Krebs – zum zweiten Mal bei ihm. Nachdem er 2010 Prostatakrebs hatte, stellten die Ärzte ihm nun die Diagnose MDS (Myelodysplastisches Syndrom, ist eine Erkrankung des Knochenmarks, bei der die Produktion von Blutzellen gestört ist) mit einer sehr schlechten Prognose. Vier Monate nach Diagnose ist mein Vater für immer eingeschlafen. Neben Trauer, die schier nicht auszuhalten ist, fühle ich viel Dankbarkeit darüber, dass nichts unausgesprochen blieb. Alles, was mein Herz bewegte, konnte ich ihm noch sagen, und in seinen letzten Wochen mit uns entstand eine neue, tiefe Nähe, die sich nun anfühlt wie ein wertvoller Schatz.
Schönreden kann man Krebs nicht. Es ist und bleibt eine schreckliche Konfrontation. Was ich aber sagen kann: Heute läuft mein Leben gut. Nicht die alte Version von gut, aber eben gut. Anders. Und gut anders. Krebs ist ein Kapitel meines Lebens. Ich habe das Kapitel beendet und schreibe nun weiter an meinem (Lebens-) Buch. Zu dieser neuen Art von Gelassenheit zu gelangen war ein steiniger Weg. Mein Weg.
« Heute ist mein Lebensmotto: Ich tue, was ich liebe. Ich lebe im Hier und Jetzt. Wie geht es dir? Welche Wegstrecke gehst du gerade und macht dir vielleicht Sorgen? Mir haben Gespräche mit Peers geholfen meine Gedanken und Gefühle einzuordnen. Kann ich dich unterstützen? »
– Linda
Betroffene
Weiblich, 1979
Wohnhaft im Kanton Zürich
Themen
- Administratives
- Bewegung / Sport
- Krankheitsverarbeitung
- Krebs und Beruf
- Krebs und Familie
- Trauer
Krebsart(en)
- Brustkrebs
Austausch
Ich bevorzuge den Austausch per:
- Online
- Persönliche Begegnung
- Telefon
Sprachen
- französisch
- deutsch
Region
- * ganze Schweiz
- Zürich

